Doppelpack

Journalismus zwischen den Zeilen

InnoGames | Nordische Frische auf der Gamescom

Gepostet Von am August 24, 2014 in Blog |

InnoGames | Nordische Frische auf der Gamescom

Früher habe ich immer einmal wieder Truppen in meinem Browser-Fenster über ein virtuelles Schlachtfeld verschoben. „Die Stämme“ nannte sich das Spiel aus dem Hause InnoGames, das nicht nur mich sondern auch 52 Millionen andere Spieler Tage, Wochen oder gar Jahre in den Bann zog. „Mich“ gibt es mittlerweile nicht mehr auf „Welt 17“ mit meinen 1,2 Millionen Punkten. InnoGames hingegen schon – und das sogar größer und erfolgreicher denn je, wie Dennis Heinert (Head of Public Relations) im Gespräch auf der Kölner gamescom erzählt.

Eine Stunde hat sich Dennis Zeit genommen. Eine willkommene Ausnahme sei das, persönlicher als die Termine im Halbstunden-Takt, die sich sonst über den Tag erstrecken. Es ist der erste Tag der gamescom, die Messe läuft erst seit einigen Stunden und auch das Wlan funktioniert noch nicht richtig. Trotzdem nimmt sich Dennis ganz locker Zeit, die neusten Spiele aus dem Hamburger Studio ausführlich vorzustellen – denn Fans von Browser-Games und mobilen Spielen erwartet in den kommenden Monaten eine Menge. Neben 120 Millionen Spielern weltweit, knapp 400 Mitarbeitern und einem neuen Hauptquartier in der Hamburger Innenstadt erreicht die Erfolgsgeschichte der 2007 gegründeten Spiele-Schmiede einen weiteren Höhepunkt. Regelmäßig findet in den Hamburger Hallen Deutschlands größter Game-Jam statt, bei dem kleine Teams spontan Spiele entwickeln. Der Laden brummt. Tendenz? Steigend!

InnoGames GmbH

Generell bewegt sich InnoGames im Jahr 2014 mit einem Trend, den viele Entwickler verfolgen und legen eine großen Fokus auf mobile Spiele. Accounts im nachhinein technisch zu verknüpfen, sei aber anstrengend, erklärt Dennis. Deswegen habe man für die beiden neuen Spiele des Hauses von Anfang an Plattform-übergreifend entwickelt. Bei diesen beiden „neuen Spielen“ handelt es sich um „Tribal Wars 2“, den Nachfolger zur Klassiker „Die Stämme“ und „Rising Generals“ ein schnelleres Strategiespiel mit dynamischeren Schlachten.

„Tribal Wars 2“  befindet sich momentan in der Closed Beta, die allerdings nur im Browser funktioniert. Trotzdem wurde das Spiel als sogenannter „cross-plattform“-Titel entwickelt, so dass alle Varianten mit einem Account genutzt werden können. Um das Spielerlebnis für den Nutzer zu optimieren, wurde die App zum Mitnehmen nativ für alle mobilen Endgeräte entwickelt. Im Vergleich zum Klassiker aus dem Jahr 2003 ist das grundlegenden Spielprinzip erhalten geblieben. Optisch, aber auch im Spiel-Detail, hat sich hingegen einiges getan. So sieht „Tribal Wars 2“ deutlich moderner und plastischer aus. Dabei hat die komplette Benutzeroberfläche ein deutliches Schönheits-Update spendiert bekommen. Im Details ist beispielsweise die „Taverne“ neu hinzugekommen, die zur Ausbildung von Spionen dienen wird. Diese Einheiten bringen eine neue, stark taktische Komponente ins Spiel. Denn mit ihren Fähigkeiten gaukeln sie dem Gegner falsche Stärke oder Schwäche vor: die „Camouflage“-Fähigkeit ermöglicht es ein falsches Level für Gebäude anzeigen zu lassen. So lässt sich beispielsweise die schützende Stadtmauer deutlich stärker darstellen – ein deutliches Gegenargument für einen Angriff. Ganz ähnlich funktionier das „Dummy“-Feature, das vollkommen erfundene Einheiten-Anzahlen anzeigen lassen kann. So können plötzlich alle offensive Einheiten als Verteidiger angezeigt werden, um einem möglichen Angreifer einen ordentlichen Schrecken einzujagen. Allerdings funktionieren diese Fähigkeiten nicht immer, sondern müssen durch die Ausbildung von Spionen erhöht werden, um dem Spiel trotzdem eine gewisse Planbarkeit zu lassen. Ansonsten setzt das Spiel neben vor allem deutlich optimierten Menüs besonders auf bekannte Features. Weiterhin hinzugekommen ist eine Timeline, die alle Aktionen der nächsten Minuten und Studenten anzeigt. All diese Neuerungen stehen auch Spielern mit kostenlosen Accounts zur Verfügung. „Die Premium-Features beziehen sich hauptsächlich auf Zeit-Vorteile wie etwa zusätzliche Slots in der Bauschleife“, beruhigt Dennis.

village-view

Actiongeladener als im Nachfolger zu „Die Stämme“ geht es bei „Rising Generals“ zu, einem „cross-plattform“-Titel mit starkem Fokus auf mobilen Endgeräten. „Die Spielsessions bei Rising Generals sollen deutlich kürzer sein als in anderen Titeln“, beschreibt Dennis die Idee hinter dem Projekt. Deshalb legt das Studio großen Wert auf „Instant-Action“: Sobald also ein Angriff gestartet wird, kommt es sofort zum Geschehen. Anders als bei „Tribal Wars“ gibt es hier also keine Laufzeiten. „Stattdessen setzten wir auf Cool-Downs, damit keine pausenlosen Angriffe stattfinden“, erklärt Dennis auf meinen fragenden Blick hin. „Aber wenn ich Action will, kann ich sofort Action haben“, fügt er hinzu.
Die Demonstration der iPad-App zeigt eine riesige, stufenlose Karte, auf der sich die Haupt-Basen der Spieler und viele kleine Außenposten zum Erobern aneinanderreihen. Schnell wird also ein Gegner ausgewählt. Dann stehen die Optionen „Plündern“, „Erobern“ und „Unterstützen“ zur Auswahl – im Herzen ist also auch „Rising General“ ein relativ klassisches Browser-Strategie-Spiel. Im finalen Spiel wird es eine große Zahl verschiedener Einheiten geben, die allesamt etwas „over the top“ und „ironisches“ gestaltet sein werden. „Bei uns hat ein Panzer halt nicht nur eins, sondern gleich drei Kanonenrohre“, verrät Dennis. Die Kämpfe im Spiel folgen dabei einem relativ einfachen Prinzip: Erst greifen die Lufteinheiten an, dann folgt die Artillerie und den Schluss bilden die Panzen. In der momentanen Phase läuft der Kampf noch statisch ab, in der fertigen Version soll der Spieler aber auch aktiv eingreifen können. Eine selbstständige Steuerung sei zwar nicht möglich, der Spieler könne aber entscheiden, wann welche Truppen vorrücken oder sich zurückziehen, bestätigt Dennis.
Auf dem Spielfeld „wumst“ es ordentlich, eine Vielzahl an Grafik- und Soundeffekten unterstützt die Schlacht. Eine Leiste am oberen Bildschirm-Rand zeigt an, über wie viele Kapazitäten die Kontrahenten noch verfügen. Der Gewinner wird mit Sternen und Erfahrungspunkten belohnt, die im Laufe des Spiels zu Level-Aufstiegen und der Freischaltungen neuer Slots, Einheiten und Forschungsgegenstände führen. Bei aller Eroberung betont Dennis aber besonders ein Sicherheitspolster für alle Spieler: Denn während sich alle Außenposten erobern lassen, kann der Spieler seine Haupt-Basis nicht verlieren. „Im Gegenteil kann die Main-Base beliebig oft verschoben, um das Frustpotenzial möglichst gering zu halten. Auch für Rising Generals ist eine Closed-Beta geplant; die Voranmeldung dafür läuft bereits.  

screenshot_5

Doch trotz aller Neuheiten sollten auch die InnoGames-Klassiker nicht in Vergessen geraten. „Die Stämme“ logiert seit über zehn Jahren ganz oben in der Gunst der Spieler und der City-Builder „Forge of Empires“ schaffte es mit seinen mobilen Versionen vor einigen Wochen in die Top-10 im Strategie-Sektor auf allen Plattformen. Die Belohnung: Zwei Features im AppStore in über 60 Ländern und ein Platz in den Top-100-Game-Downloads in 100 Ländern. An einer Android-Version wird ebenfalls gearbeitet. Wir haben also gelernt: Auch wenn das Wetter in Hamburg nicht immer schön ist, wenigstens ein Blick auf die norddeutschen Entwickler lohnt sich immer!

Text: Florian Gehm | Screenshots: InnoGames